Wir haben einen Sheltie? Wir haben einen Belltie!

Ich weiß nicht ob ihr euch mit der Rasse des Shelties auskennt, aber es gibt eine rassetypische Eigenschaft, für die der Sheltie bekannt ist und das ist seine Bellfreudigkeit. Shelties sind liebe, kleine, sensible Hunde, die jedoch auch sehr mitteilungsbedürftig sind, zumindest die meisten Shelties, die ich so kenne. Wenn man Bücher oder Beiträge im Internet zum Sheltie liest, wird der Sheltie auch immer als bellfreudig beschrieben. Ich wollte das anfangs ja immer nicht richtig wahrhaben bzw. dachte immer, das kriegen wir schon in den Griff. Aber was soll ich sagen, falsch gedacht!

Shelties
Halbgeschwister! v.l.n.r.: Jeeny, Leo, Marie und Nala

Shelties äußern gerne jede Art von Aufregung über das Bellen, so zumindest meine Erfahrungen mit Nala. Und dabei musste ich schon oft feststellen, dass dies stellenweise unterbewusst passiert, d.h. Nala nimmt gar nicht richtig wahr, dass sie gerade so ein Bellkonzert abliefert. Out of order, außer Rand und Band, völlig Banane – so würde ich ihr Verhalten in solchen Situationen beschreiben. Nala bellt zum Beispiel sehr gerne, wenn wir am Wasser mit ihr sind. Toben im oder am Wasser findet Nala wahnsinnig toll und bellt dabei gerne in einer Tour. Genauso verhält sie sich, wenn es bei uns an der Haustüre klingelt. Die reinste Katastrophe kann ich euch sagen und ich will nicht leugnen, dass mich dieses Verhalten zur Weißglut bringt. Aber wer kann es ihr verübeln, in der Regel bekommen wir nicht so oft Besuch und wenn es dann doch mal an der Haustüre klingelt, ist das ja auch verdammt aufregend. Immer häufiger bellt sie jetzt sogar, wenn wir die Haustüre verlassen. Wir sind kaum aus der Türe, fängt sie an zu „kläffen“. Oftmals zeigt sie dieses Verhalten, weil Trubel in unserer Straße herrscht. Kinder spielen, der Nachbar fährt mit seinem Traktor vorbei oder der Nachbarshund läuft gerade mit seinem Besitzer die Straße entlang. Nala ist dann quasi doppelt aufgeregt. Aufgeregt, weil wir Gassi gehen und aufgeregt, weil unsere Straße belebt ist. Keine besonders guten Voraussetzungen und die Bellerei vorprogrammiert. Dann gibt es aber auch noch ein anderes bellen und das geschieht aus purer Unsicherheit. Kinder zum Beispiel. Nala kann Kinder, vor allem aber Kleinkinder, nicht einschätzen und deren Mimik und Gestik nicht einordnen. Ich glaube Nala findet Kinder gruselig, seltsam und überflüssig. Kinder die sie kennt, sind komischerweise kein Problem. Die findet sie sogar recht spannend und weicht ihnen nicht von der Seite, es könnte ja doch ein Keks versehentlich runterfallen. Aber fremde Kinder wurden früher oft konsequent angebellt. Ich schreibe bewusst früher, denn dieses Verhalten zeigt sie heute nur noch selten. Seit geraumer Zeit binden wir einen Spielplatz mit in unsere Spaziergangsroute ein, verweilen dort und lassen sie die spielenden Kinder bewusst wahrnehmen. Wenn wir zum Spielplatz laufen, bleiben Leckerchen zuhause. Nala soll die Spielplatz-Situation beobachten und nicht abgelenkt sein, weil ich Leckerlis in der Tasche mitführe. Das Anbellen von Kindern ist dadurch schon um einiges besser geworden.

Nala bellt also aus zwei Gründen, zum einen durch Aufregung und zum anderen aus Unsicherheit. Die verschiedenen Bellsituationen frusten mich sehr, ich möchte das gar nicht abstreiten. Auch möchte ich nicht leugnen, dass wir irgendwann mal irgendetwas falsch gemacht haben oder es womöglich immer noch tun. Nala hat erst relativ spät das Bellen für sich entdeckt, da war sie schon über ein Jahr alt. Plötzlich fing sie an sämtliche Situationen zu kommentieren. Seither arbeiten wir konsequent daran, um dieses Verhalten in den Griff zu bekommen. Ein Verhalten, was rassetypisch ist und was wir sicherlich mit zu verantworten haben. Denn auch wenn Shelties bellfreudiger als andere Hunde sind, heißt es ja nicht, dass wir uns mit der Bellerei abfinden müssen. Ich will damit aber jetzt auch nicht sagen, dass Nala gar nicht bellen darf. Sie ist ja immerhin ein Hund und Hunde bellen nun mal. Wenn Nala im Spiel mit anderen Hunden ist oder sie zum Spielen auffordert, ist das völlig in Ordnung. Nur aufgeregtes bellen, unsicheres bellen oder sogar grundloses bellen, möchten wir nicht und möchten wir auch für Nala nicht. Denn auch für Nala bedeutet das in solchen Situationen purer Stress.

Warum aber schreibe ich hier über dieses Thema? Weil ich ehrlich sein möchte! Weil ich kein falsches Bild nach Außen darstellen möchte! Und weil ich unsere Erfahrungen teilen möchte! Ich bin mir sicher, dass viele andere die gleichen „Probleme“ haben oder sich in meinen Erzählungen, an der einen oder anderen Stelle, wiedererkennen. Ehrlich gesagt, ich musste auch erstmal lernen negative Alltagssituationen zu erzählen, darüber zu schreiben oder sie auch in meiner Instagram Story zu zeigen. Mittlerweile folgen mir unglaublich viele Menschen auf Instagram (aktuell etwas über 47.000 Follower) und ob ich will oder nicht, ich habe auch eine entsprechende Vorbildfunktion. Und ja, Nala ist hübsch, Nala ist niedlich, aber Nala ist auch immer noch ein Hund mit Ecken und Kanten, die wir tagtäglich zu spüren bekommen und vor allem ist Nala keine Maschine, die man nur für Social Media anstellt und sie dann wieder ausschaltet. Nala hat gute und schlechte Tage und wir müssen uns immer wieder mit neuen Situationen auseinandersetzen. Ob Gesundheit oder Erziehung von Nala, wir lernen stets Neues dazu und versuchen unser Bestes zu geben.

FamilyFirst

Wenn Nala früher unkontrolliert gebellt hat, dann hat sie oftmals ein „Nein“ oder „Schluss jetzt“ zu hören bekommen. Tatsächlich war sie dann auch für einen kurzen Moment ruhig, nur aber um im nächsten Moment unbeeindruckt weiter zu bellen. Ich weiß, so manch einer wird an dieser Stelle die Hände über den Kopf zusammenschlagen und sich denken, wie kann man nur mit solch „veralteten“ Methoden arbeiten. Wenn man es aber nicht besser weiß, den eigenen Hund nicht mehr unter Kontrolle hat und völlig ratlos ist, probiert man so manches aus und ist natürlich auch schneller genervt oder frustriert. Außerdem dachte ich früher immer, ich muss Nala doch irgendwie zu verstehen geben, dass ich das jetzt nicht möchte. Heute weiß ich es besser. Alleine schon meine Körpersprache oder mein Verhalten, ohne etwas sagen zu müssen, reichen schon aus um ihr das nötige Feedback zu geben. Heute trainieren wir viel mehr mit Ignoranz und belohnen ruhiges & entspanntes Verhalten, statt immerzu „Nein“, „Nein“ und nochmals „Nein“ zu sagen. Dennoch gibt es immer noch Situationen, die so ein Feedback erfordern, so meine Erfahrungen. Und dafür könnt ihr mich gerne steinigen, aber wenn uns beispielsweise ein anderer Hund an der Leine entgegenkommt und Nalas Rute nach oben geht, sage ich bestimmt „Lass es“ und sie ist ruhig und wir beide können dann (meistens) entspannt an anderen Hunden vorbeilaufen. Auch sage ich etwas lauter „Aus“, wenn Nala sich mal wieder am Hasenköttel-Buffet bei uns in den Weinbergen bedient. In solchen Situationen bringt es recht wenig, Nala zu ignorieren, da muss ich ihr einfach zu verstehen geben, dass ich das jetzt nicht möchte! Zumal ich auch nicht weiß, was für Bakterien in Hasenköttel stecken oder ob sie nicht doch mal einen Giftköder findet.

Trotzdem haben wir doch sehr gemerkt, dass wir mit verstärken des positiven Verhaltens viel besser und entspannter weiter kommen und wir wesentliche Fortschritte machen. Zumindest was unsere aktuelle Besuchs-Klingel-Tür-Situation betrifft, die wir zurzeit folgendermaßen trainieren:

Um die Türklingel etwas alltäglicher zu machen, haben wir, auf den Tipp hin von zwei Sheltie Besitzerinnen, die Klingel mit dem Handy per Sprachmemo aufgenommen. Die Aufnahme lassen wir nun seit geraumer Zeit immer mal wieder im Alltag abspielen und verhalten uns so als wäre es gar nichts Besonderes. Wir stehen nicht aprupt auf, laufen nicht aufgeregt zur Türe und empfangen keinen Besuch. All das hat Nalas Bellerei nur verstärkt. Stattdessen bleiben wir einfach unberührt auf der Couch sitzen oder machen weiter den Haushalt, wir tun jedenfalls so, als wäre die Klingel was völlig alltägliches, so wie der Staubsauger oder der Haarföhn, beides Geräusche, bei denen Nala auch nicht bellt. Anfangs hat sich Nala immer noch tierisch aufgeregt, ist zur Haustüre vorgerannt und hat sich vor Bellerei nicht mehr eingekriegt. Irgendwann kam sie sich aber zu blöd vor, weil ja nichts passiert ist, hat sich dann von selbst beruhigt und wieder hingelegt. Diesen Moment haben wir dann sofort mit Stimme belohnt. Aktuell beruhigt sie sich immer schneller oder bellt sogar gar nicht mehr, wenn der Ton der Haustürklingel ertönt. Die Klingel ist also schon etwas alltäglicher geworden.

Im nächsten Schritt müssen wir dann die Türsituation nachstellen, d.h. es klingelt, wir stehen auf, gehen zur Türe und drücken auf den Türöffner. Ich bin mir sicher, Nala wird tierisch losbellen, aber auch das wird hoffentlich alltäglicher für sie werden. Wichtig dabei ist, wir dürfen uns nicht zu aufgeregt oder zu schnell bewegen. Denn gerade dieses schnelle aufgeregte Bewegen, ist „tödlich“! Wir werden nun also in den nächsten Wochen immer und immer wieder die Türsituation üben in der Hoffnung, Nala lernt irgendwann, dass sie sich gar nicht so aufregen muss! Weil sich Nalas Verhalten doch schon sehr gefestigt hat, wird das noch ein langwieriger Prozess werden. Dennoch, wir haben zwar einen Sheltie, wollen aber nur bedingt einen Belltie.

Wenn ihr noch Tipps oder Anregungen für mich habt, freue ich mich über jeden Kommentar oder über jede Nachricht. Konstruktive Kritik ist immer erlaubt und darf gerne geäußert werden. Ich denke, wir sind alle nur Menschen und Fehler machen ist nun mal menschlich.

Vielleicht kennt ihr ein gutes Buch zu diesem Thema?

Dann immer her mit euren Buchtipps!

 

5 Gedanken zu „Wir haben einen Sheltie? Wir haben einen Belltie!

  1. Sarah

    Hallo,

    schön, dass Du uns transparent an Eurem Leben teilhaben lässt😁 Wir haben das Klingelproblem mit 2 Hunden so gelöst, dass die Nachbarskinder täglich mehrfach klingeln durften. Die Möpschen bellen jetzt nur noch einmal und setzen sich dann wartend in die Küche😅.
    Ansonsten kann ich nachempfinden wenn man in alte Muster zurück fällt. Ich arbeite da auch stetig dran. Wir Menschen haben wie die Hunde auch gute und schlechte Tage.
    Alles Liebe weiterhin!
    Lg Sarah mit Bisco&Ela

    Gefällt 1 Person

    1. Little Blue Heart

      Hallo Sarah, vielen Dank für deinen Kommentar, ich habe mich sehr gefreut. Die Lösung mit den Nachbarskindern ist super. Wir möchten gerne irgendwann, wenn Nala einigermaßen soweit ist, Familie oder Freunde unerwartet kommen und klingeln lassen, sodass der realte Türablauf geübt werden kann. Ich finde es ganz toll dass deine beiden Fellnasen die Türsituation so gut bewältigen und sogar brav wartend in der Küche liegem bleiben. Hut ab, tolle Leistung. Viele Grüße von mir & Schlabberküsse von Nala 🙂

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