Geteiltes Leid ist nur halbes Leid?

Wie wir alle wissen ist nicht immer alles schön in einem Hundeleben und oftmals muss man sich auch mit unangenehmen Dingen befassen. Die einen mehr, die anderen weniger. Das ist ganz unterschiedlich und hängt immer vom Gesundheitszustand des Hundes ab. Unsere Sheltie Hündin Nala ist jetzt mittlerweile 3 Jahre alt und im Sommer 2016 wurden wir zum ersten Mal mit so einer unangenehmen Hundesache konfrontiert. Nala leidet seit geraumer Zeit regelmäßig unter Wirbelsäulenblockaden und weil das wohl keine Seltenheit in der Hundewelt ist, nehme ich diesen Blogbeitrag einmal zum Anlass um unsere Erfahrungen und unser Wissen mitzuteilen. Blockaden tun weh, Blockaden sind schmerzhaft. Und während wir einfach zum Arzt gehen können, sind unsere Hunde deutlich hilfloser.

Zunächst möchte ich gerne erklären was „Blockade“ eigentlich bedeutet. Für uns war das auch Neuland und wir mussten uns die Bedeutung erklären lassen. Blockaden sind Wirbelfehlstellungen und schränken die Beweglichkeit der Gelenke ein. Blockaden sind oft die Ursache für Rückenschmerzen beim Hund und können zu Lahmheit, Verspannungen und deutlichen Einschränkungen in der Bewegung verantwortlich sein. Und genau das konnten wir bei Nala feststellen. Der Sheltie lief urplötzlich irgendwie „unrund“, nicht wie sonst freudig wippend, sondern überwiegend in geduckter steifer Haltung. Häufig blieb Nala einfach stehen, schaute uns an und wollte nicht weiterlaufen. Stellenweise musste man Nala an der Leine richtig mitziehen und sie dabei kräftig motivieren, um Nala überhaupt zum Laufen zu kriegen. Wenn man sie am Rücken gestreichelt hat, zuckte sie dauerhaft zusammen und als sie plötzlich beim Agility Training das Überspringen von Hürden verweigerte war klar, hier stimmt doch etwas nicht!

Mögliche Ursachen für Blockaden:

  • Folge von falschen Bewegungen, wie z.B. runterspringen von der Couch, Baumstämmen oder anderen höheren Gegenständen, apportieren, Agility, toben und spielen mit anderen Hunden, Ball spielen
  • Dauerhafte Fehlbelastungen nach Operationen oder anderen Verletzungen
  • Das Alter

Wie? So viele Ursachen? Hundesport leuchtet ja noch ein, aber toben und spielen mit anderen Hunden? Aber ja, es gibt unzählige Situationen in denen sich ein Hund Blockaden zuziehen kann. Eine falsche Bewegung reicht aus und der Schmerz sitzt tief. Eigentlich ist es nichts anderes als beim Mensch. Wir kennen sie alle, die Rückenschmerzen und oft liegt auch hier die Ursache in Wirbelblockaden. Ich kann hier aus eigener Erfahrung sprechen. Gerade vor einigen Wochen quälten mich zwei Blockaden im Schulter- und Lendenbereich. Der Schmerz zog sich bis hin zum Brustbein und das Ein- und Ausatmen fiel mir mächtig schwer, verbunden mit einem stechenden Schmerz. Ein Facharzt rückte meinen Rücken wieder in die richtige Position und nach nur einem Tag waren all die Sorgen und Schmerzen wie weggeblasen. Leider muss ich mich selbst rügen. Ich arbeite Vollzeit in einem Büro und sollte zum Ausgleich mehr für meine Rückenmuskulatur tun, um solchen Blockaden vorzubeugen. Aber genau deswegen kann mich in Nala sehr gut hineinversetzen und weiß welche Schmerzen sie bei Blockaden aushalten muss. Geteiltes Leid ist nur halbes Leid? Nein, ich will keine Blockaden mehr für mich und ich will keine Blockaden mehr für Nala!

Die Hundephysiotherapie

Nach einigen Recherchen und Empfehlungen sind wir auf das Team von Zen-Dogs gestoßen. Das Team besteht aus Experten (Niklas und Janine) in den Bereichen Hundephysiotherapie, Hundeosteopathie und Hundesportphysiotherapie. Hört sich vielfältig an, ist es auch. Aber alles halb so wild, es gibt nichts was nicht dazugelernt werden kann und man erweitert seinen Wissenstand enorm. Wir vereinbarten relativ zeitnah einen Termin und ich war froh geeignete Fachleute gefunden zu haben. Die Zen-Dogs Behandlungen finden zuhause im gewohnten Umfeld statt, was ich persönlich super finde, da Nala eher reserviert gegenüber Fremden ist und sich in den eigenen vier Wänden immer noch am wohlsten fühlt. Beim ersten Termin war Nala auch sehr unsicher und skeptisch. Aber wer kann es ihr verübeln, wenn fremde Hände den ganzen Hundekörper abtasten und untersuchen. Damals wurden insgesamt 5 Blockaden bei Nala gefunden und behutsam und vor allem langsam mit Hilfe von osteopathischen Techniken gelöst. Ehrlich gesagt, ich war geschockt! 5 Blockaden? Das tat mir so unendlich leid. Woher die Blockaden genau kamen, keine Ahnung. Vielleicht durch Spiel und Spaß mit Kumpel Bobby? Oder hat sie sich eventuell beim Agility Training versprungen? Nachdem die Blockaden gelöst waren, konnte man innerhalb der nächsten Tage bereits eine deutliche Veränderung und Verbesserung an Nalas Verhalten sehen. Nala hüpfte wieder fröhlich durch die Gegend und war wie ausgewechselt. Seither lassen wir alle 3-4 Monate Nalas Rücken kontrollieren. Und auch beim letzten Termin mussten erneut 3 Blockaden gelöst werden. Womöglich wird Nala nie richtig Blockaden-frei sein. Aber wir wollen unser Bestes geben. Das Team von Zen-Dogs zeigte uns auch einige Massagegriffe und riet uns zum Kauf von einem sogenannten Wackelpad, mit dem wir zuhause eigenständig 2-3 x in der Woche kleinere Übungseinheiten machen sollen.

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Nala und ich vor dem Training

 

Das Ballkissen bzw. Wackelpad

Mit dem sogenannten Ballkissen bzw. Wackelpad kann der Koordinations- und Gleichgewichtssinn gezielt gefördert werden. Außerdem lernen Hunde ihren Hundekörper richtig einzusetzen. Die allgemeine Verletzungsgefahr wird dadurch weitaus geringer sowie auch das Auftreten von Blockaden. Die Ballkissen gibt es in verschiedenen Größen und von unterschiedlichen Marken im Handel zu kaufen. Für Nala haben wir uns für ein Ballkissen mit 50 cm Durchmesser von TOGO Dynair entschieden, da sie komplett mit allen 4 Pfötchen darauf stehen kann. Für größere Hunde eignet sich zum Beispiel auch ein Gymnastikball in Form einer Erdnuss ⇒ Erdnuss Gymnastikball.

Das Training und die Übungseinheiten

Wir nehmen uns 2-3 x in der Woche Zeit um mit Nala und dem Ballkissen zu trainieren. Mittlerweile stellt sich Nala eigenständig auf das Ballkissen und hat gar keine Scheu mehr. Ich stütze sie dabei oft noch mit einer Hand unter dem Brustkorb und überprüfe ihren Stand, der sollte möglichst fest und gerade sein. Dann beginne ich mit der anderen Hand entweder das Pad oder sie selbst leicht zu wackeln, sodass sie kleine Ausgleichsbewegungen machen muss. Abwechselnd nehme ich dann auch mal ein Pfötchen hoch und Nala muss abermals mit Ausgleichsbewegungen einen festen Stand finden.

Wichtig hierbei: Die Übungseinheit auf dem Ballkissen sollte, gerade am Anfang, 20 Sekunden nicht überschreiten. Danach ist eine Pause von 1 Minute notwendig, weil das Nervensystem größere Pausen zwischendrin braucht. 3-5 Sätze hintereinander sind in Ordnung. Wenn die einzelne Übungseinheit länger als 20 Sekunden auf dem Ballkissen andauert, sollte man dem Nervensystem aber eine Pause von mindestens 3 Minuten gönnen. Das Training auf dem Wackelpad ist für den Hund sehr anstrengend, man sollte sich daher unbedingt an die geringe Zeit halten. Auch weil sonst die Gefahr von Überreizungen und Nervenirritationen bis hin zu Entzündungen in den Nerven und Muskeln besteht.

Zusammenfassung:

  1. Training 2-4 x in der Woche
  2. Eine Übungseinheit 20 Sekunden
  3. Pause von 1-5 Minuten
  4. 3-4 Übungseinheiten hintereinander

Es ist sehr wichtig den eigenen Hund zu kennen und die kleinsten Veränderungen wahrzunehmen und darauf entsprechend einzugehen. Verweigert mein Hund plötzlich das Treppenlaufen? Verweigert mein Hund das Springen über Hürden oder Baumstämme? All das muss nicht immer mit Sturheit oder Eigensinnigkeit des Hundes zu tun haben. Oftmals stecken gesundheitliche Probleme dahinter. Wirbelblockaden hat so gut wie JEDER Hund. Bei manchen Hunden gehen die Blockaden von alleine wieder zurück und bei anderen Hunden eben nicht. Eine einzige falsche Bewegung reicht aus und die Blockade ist da. Wir hätten damals wohl noch etwas früher handeln und nicht einfach den Hundealltag in gewohnter Art und Weise weiterleben sollen. Hunde können nicht sprechen, Hunde sind auf uns angewiesen. Umso wichtiger ist es einen guten Blick zu entwickeln und zu erkennen, wenn der eigene Hund Verhaltensveränderungen zeigt. Um auch meine Rückenmuskulatur zu stärken, trainiere ich jetzt immer zusammen mit Nala. Erst ist der Sheltie an der Reihe und danach bin ich dran. Es gibt einige sinnvolle Übungen, die auch wir als Menschen machen können. Das Problem Blockade hat sich hoffentlich bald für meinen Hund und mich erledigt!