Das June Wochenende

Wie fange ich bloß am besten an? Ich habe lange überlegt und dabei schnell bemerkt, das Thema in Worte zu packen und aufzuschreiben ist sehr schwer. Aber um welches Thema geht es denn eigentlich? Richtigerweise ist es auch kein Thema, sondern eine Entscheidung! Eine Entscheidung, die unser ganzes (Hunde) Leben verändern kann.

Wir träumen von einem zweiten Hund. Und das nicht erst seit gestern! Nala wird bald 3 Jahre alt und ist aus dem Gröbsten raus. Mit ihrer Entwicklung können wir mehr als zufrieden sein, wenngleich es noch einige Baustellen gibt, an denen wir aktuell arbeiten und mit denen wir zu kämpfen haben. Dennoch, Nala läuft prima im Alltag mit und der Wunsch die Hundefamilie zu vergrößern wächst und wächst. Aber dieser Wunsch geht auch mit jeder Menge Bedenken einher. Bedenken, die unseren Wunsch bezüglich eines zweiten Hundes bedächtig ins Schwanken bringen. Unsere größte Sorge ist jedoch, wie wird Nala damit fertig? Sind wir vielleicht zu egoistisch? Hat Nala denn überhaupt ein Mitspracherecht oder treffen wir einfach eine Entscheidung und sie muss damit klar kommen? Und damit meine ich wirklich klar kommen, denn Nala ist ein absolutes Herzstück. Nala ordnet sich allen Hunden unter, streitet sich nicht und geht lieber Unstimmigkeiten aus dem Weg. Wäre denn da ein zweiter Hund nicht zu anstrengend? Wir sind Gefühlsmenschen, so viel steht fest und Nala kommt an erster Stelle. Aber vielleicht denken wir auch zu viel nach und sollten Nala insgesamt mehr zutrauen. Klar, die erste Zeit mit einem Welpen wird sicherlich anstrengend und Nala möchte bestimmt den Welpen am liebsten wieder wegzaubern, aber nach einer gewissen Zeit gewöhnt sie sich daran und oftmals profitieren beide Hunde voneinander. Eines steht jedoch fest, wenn ein zweiter Hund einzieht, dann muss er zu uns und vor allem zu Nala passen. Weil man aber solch eine Entscheidung nicht einfach nebenbei treffen kann oder möchte, versuchen wir möglichst früh genug herauszufinden, ob wir uns ein Leben mit zwei Hunden vorstellen können. Denn nicht nur für Nala bedeutet das jede Menge Veränderungen, sondern auch für uns. Alleine der finanzielle Aspekt verdoppelt sich sozusagen und zwei Hunde benötigen natürlich noch mehr Aufmerksamkeit. Oft höre ich Aussagen wie: „Ein zweiter Hund? Ach das ist doch kein Problem, der fällt doch fast gar nicht auf.“ Okay, in gewisser Weise stimmt das vielleicht, denn zumindest das „Gassi gehen“ verändert sich nicht. Beide Hunde müssen raus, ob ich nun einen Hund an der Leine habe oder zwei, macht keinen Unterschied…oder doch?

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June, die rote Aussie Prinzessin

Wir durften es ausprobieren! Und zwar ein ganzes Wochenende lang! Am vergangenen Freitag zog Aussie Hündin June samt Sack und Pack bei uns ein und plötzlich waren wir nicht mehr nur zu Dritt, sondern zu Viert. Junes Frauchen, unsere Trainerin, pflanzte mir damals diesen wundervollen Gedanken in den Kopf ein. June ist eine taffe Hündin, die gerne Ferien bei anderen Hundefamilien macht. Also wieso nicht auch mal bei uns? Aber auch wegen zwei weiteren Gründen fanden wir die Idee mit June sehr interessant. Erstens, June ist größer als Nala und zweitens, June ist ein Aussie. Mit der Rasse des Australian Shepherds liebäugeln wir schon länger, aber der gesunde Menschenverstand sagt uns natürlich, dass wir Respekt haben sollten. Aber wie war denn nun das Wochenende mit June und Nala? Rückblickend können wir viele positive Eindrücke aus dem Wochenende mit June ziehen. June ist eine liebenswerte Aussie Hündin, die aufs Wort gehorcht, was uns die Sache mit zwei Hunden vereinfachte. Zwischen June und Nala liegen über 10cm Größenunterschied, was allerdings kein Problem darstellte, weder in der Wohnung noch auf Spaziergängen. June hat Nalas Hundekörpersprache einwandfrei verstanden und gab ihr zu jederzeit genügend Freiraum. Nala taute zunehmend auf und während der Spaziergänge flitze sie sogar gemeinsam mit June über die Felder oder pöbelte sie an, wenn June sich mit eines der Spielis selbstbelustigte, das fand der Sheltie nämlich höchst seltsam. Aber auch wenn Nala irgendwo in der Wohnung auf dem Boden lag und June an ihr vorbei wollte, blieb sie ganz entspannt liegen. So kennen wir sie gar nicht, normalerweise schreckt Nala sofort hoch, wenn ein anderer relativ fremder Hund ihr zu nahe kommt und vor allem dann, wenn der andere Hund auch noch wesentlich größer ist als sie. Bei June war das kein Problem. Unsere anfängliche Sorge, dass der Größenunterschied deutliche Auswirkungen auf das Verhalten von Nala haben könnte, mehr Unsicherheit oder Nervosität, hat sich nicht bewahrheitet. Eher das Gegenteil, Nala war oftmals viel entspannter. Wenn ihr Junes Selbstbelustigung dann doch mal zu viel wurde, suchte sie Schutz in ihrer Transportbox, die in unserem Wohnzimmer steht, und June hat sie darin völlig in Ruhe gelassen. Was uns jedoch am meisten freute, beide Fellnasen liefen sehr gut zusammen an der Leine mit. Anfangs gab es zwar noch etwas Leinenchaos und wir mussten die Damen ordentlich sortieren, danach zeigte sich bei jedem weiteren Spaziergang eine Verbesserung und beide Mädels achteten aufeinander. So war es auch kein Problem, dass ich mir am Samstagmorgen die Hunde schnappen konnte und mich alleine mit ihnen raus traute. Übung macht den Meister und ein wenig Selbstvertrauen schadet sowieso nicht. Eines haben wir nur festgestellt, was wir in unserer Planung unbedingt berücksichtigen müssen: Wir brauchen eine größere Wohnung. Unsere kleine niedliche 2-Zimmerwohnung ist für zwei Hunde dauerhaft zu klein. 8x Pfoten abrubbeln oder 2x Hunde bürsten ist in unserer relativ kleinen Wohnung doch etwas anstrengend. Irgendein Fuß oder irgendeine Pfote steht meistens im Weg. Trotzdem, die Entscheidung einen weiteren Hund bei uns aufzunehmen wird immer konkreter und Junes Besuch hat entscheidend zu unserem Lernprozess beigetragen. Ob und wann tatsächlich ein zweiter Hund einzieht, steht allerdings noch völlig in den Sternen. Wir können uns das Leben mit zwei Hunden vorstellen, aber der Zeitpunkt muss sorgsam gewählt werden. Zunächst einmal darf Nala richtig erwachsen werden und wir möchten noch mehr Hundeerfahrung sammeln. Ich als Frauchen muss mir leider selbst eingestehen, dass ich in meinen Handlungen und meiner Körpersprache noch einiges zu lernen habe. Bekanntlich wächst man mit der Aufgabe und der Herausforderung und ich gebe mein Bestes die Sprache des Hundes irgendwann besser verstehen zu können. Im Klartext heißt das also: Neue Wohnung, mehr Hundeerfahrung, Nala darf richtig erwachsen werden und dann, ja dann kann irgendwann vielleicht ein zweiter Hund einziehen.