Ein Stich, ein Pieks, eine Impfung?

Seit einigen Wochen beschäftigt mich eine sehr wesentliche Angelegenheit im Leben von Nala, nämlich die der Impfungen! Die kleine Hundenase wächst uns immer mehr ans Herz und der Wunsch das Bestmögliche für den eigenen Hund zu wollen, wächst von Tag zu Tag. Ich habe lange überlegt, ob ich über Impfungen einen Blogbeitrag schreiben soll, aber mich nun dafür entschieden. Ansichten und Meinungen sind unterschiedlich, allerdings möchte ich über Impfungen und Krankheiten beim Hund ein wenig zur Aufklärung beitragen und meine Leser dazu animieren, sensibler mit diesen Themen umzugehen und gewisse Dinge beim Tierarzt kritischer zu hinterfragen. Viele von euch stimmen mir sicherlich zu, wenn ich behaupte, wir gehen regelmäßig zum Impfen und ach der Tierarzt wird schon wissen was er tut. Auch wir sind lange mit dieser Einstellung fast jährlich zum Tierarzt spaziert und mussten jedoch nach und nach feststellen, Tierarzt ist nicht gleich Tierarzt und die Gesundheit des Hundes steht nicht immer im Vordergrund. In meinem folgenden Beitrag möchte ich grundlegendes näher erklären, aber natürlich bin ich nicht allwissend. Die nachfolgenden Erklärungen wurden meinerseits nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Ich habe zu diesem breitgefächerten Themengebiet einen dreistündigen Vortrag bei einer Tierheilpraktikerin besucht, recherchierte im Internet und las zwei interessante Bücher dazu.

Allgemeines

Was ist denn überhaupt eine Impfung? Viele wissen das natürlich! Aber noch einmal kurz zur Erläuterung: Bei einer Impfung werden auserwählte Krankheitserreger in den Organismus gespritzt, die den Hundekörper anregen sollen entsprechende Antikörper zu produzieren, d.h. der Hundekörper ist dann sozusagen vorbereitet für den Fall der Fälle, nämlich dann wenn er später einmal mit diesen bestimmten Erregern oder Bakterien in Berührung kommt. Die Krankheit oder Virusinfektion tritt sodann gar nicht oder in abgeschwächter Form auf. Was viele aber nicht wissen, bei jeder Impfung gilt: Der Hund muss gesund sein! Läufigkeit, Fellwechsel oder Augenentzündungen sind wichtige Gründe, die bei Impfplanungen unbedingt berücksichtigt werden sollten, denn jede Impfung bedeutet gleichzeitig viel Stress für den Hundekörper. Das Immunsystem wird enorm belastet und dafür sollte der Hund möglichst fit und gesund sein! Wichtig zu wissen ist jedoch auch die Tatsache, dass eine Impfung niemals die richtigen und echten Krankheitserreger so gut ersetzen kann, als wenn der Hund selbst, beispielsweise draußen beim Schnüffeln, mit den echten Erregern in Berührung kommt und Antikörper dagegen bildet. In Deutschland gibt es keine Impfpflicht. Wenn das Tier die deutschen Grenzen nicht verlässt, muss auch nicht geimpft werden. Aber ist das sinnvoll? Einfach gar nicht impfen?

Eine Grundimmunisierung (mindestens gegen Staupe, Parvovirose und Hepatitis) wird in jedem Fall empfohlen. Grundimmunisierung? Jeder Welpe bekommt zunächst Antikörper von seiner Mutterhündin, da sich das Immunsystem eines Welpen erst noch bilden muss. Diese Antiköper mütterlicherseits sind also nicht selbstgebildet und verschwinden irgendwann wieder, bauen sich demnach von selbst ab. Der Welpe bekommt daher anfangs einige Impfungen (8., 12., 16. Woche plus 15 Monate danach nochmal), weil der Zeitpunkt, wann die Antikörper der Mutter verschwinden, nicht genau feststellbar ist. Diese Antikörper der Mutter im Organismus des Welpen nennt man auch „maternale Antikörper“. Sinnvolle und wichtige Impfungen beim Hund sind die Impfungen gegen Staupe und Parvovirose (Parvo). Beide Infektionskrankheiten kommen in Deutschland noch vor! Auch gegen Hepatitis sollten die Hunde grundimmunisiert werden. Dieser Erreger kommt zwar in Deutschland kaum vor, kann aber wieder eingeschleppt werden. Wenn viele Hunde dagegen Immunität besitzen, kann er sich nicht ganz so leicht ausbreiten.

PflichtundNicht
Schaubild Pflicht- und Wahlimpfungen

Wissenswertes

Im Jahr 2013 hat der Weltverband der Kleintierärzte (WSAVA) in seinen Impfempfehlungen klargestellt, dass ein Hund, der als Welpe richtig geimpft wurde, für den Rest seines Lebens immunisiert ist. Ähnlich so wie Menschen mit ihrer Masern-Mumps-Röteln-Impfung im Kleinkindalter. Trotzdem verschicken Tierärzte weiterhin jährliche Einladungskarten zur „Wiederholungsimpfung“. Jedoch entspricht dies nicht mehr der Leitlinie. Wir Menschen gehen auch nicht jährlich zum Impfen, oder doch?! Die einzige Ausnahme ist die Grippeimpfung (falls an deren Wirksamkeit geglaubt wird). Grippeimpfstoffe werden fast jedes Jahr neu entwickelt, weil sich Grippeviren ständig verändern und die Impfstoffe dann nicht mehr zu den zirkulierenden Erregern passen. Aber sonst sind jährliche Wiederholungsimpfungen in der Humanmedizin unbekannt. In der Tiermedizin ist das anders, da wird immer so geimpft, als hätten die Tiere KEINE GEDÄCHTNISZELLEN, nämlich oft jährlich. Die Gedächtniszellen der Hunde können sich die Antikörper aber sehr wohl über mehrere Jahre merken und müssen gar nicht jährlich daran erinnert werden, laut Aussage der Tierheilpraktikerin!

Der Impfstoff Staupe ist seit ungefähr 30 Jahren auf dem Markt, wurde bisher nicht verändert und wird alle 3 Jahre geimpft. Allerdings können sich Krankheitserreger durchaus verändern. Zumal Staupe, wie bei uns Menschen, nichts anderes als Masern ist und wir Menschen auch nur 1-2x im Leben geimpft werden. Das Immunsystem eines Hundes kann mit dem der Menschen verglichen werden. Der Staupe-Erreger wird über den Kontakt zu erkrankten Tieren und deren Ausscheidungen (Urin, Kot, Nasensekret etc.) übertragen. Staupe führt zu ganz unterschiedlichen Symptomen, die hauptsächlich die Atemwege, den Magen-Darm-Trakt sowie das Nervensystem des Hundes betreffen.

Hepatitis ist eine ansteckende Leberentzündung des Hundes. Eine akute Leberentzündung endet für den Hund häufig tödlich. Beschwerden wie Fieber, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, starker Durst, Bauchschmerzen und Blutungen können auftreten. Eine Grundimmunisierung sollte daher ab der 8. Lebenswoche stattfinden.

Die Parvovirose ist eine Infektionskrankheit (auch Hundeseuche genannt) und tritt leider häufig auf, trotz einer Impfung. Hunde infizieren sich durch das Schnüffeln am Kot eines infizierten Tieres. Bemerkbar macht sich die Krankheit durch unaufhörliches Erbrechen sowie Durchfall. Der Hund sollte sofort 2 Tage fasten, um die Krankheit schnellstmöglich in den Griff zu bekommen. Generell hat ein Hund mit Parvovirose gute Heilungschancen, wenn die Hundeseuche rechtzeitig erkannt und behandelt wird.

Die Impfstoffe Staupe, Hepatitis und Parvovirose (häufiger Kombi-Impfstoff) sind relativ gut verträglich mit weniger gefährlichen Nebenwirkungen! Alle drei Impfstoffe sollten eine Gültigkeit von 3 Jahren aufweisen.

Leptospirose ist eine ansteckende Infektionskrankheit. Hunde stecken sich vor allem durch gegenseitiges Beschnuppern und Ablecken sowie über Bisswunden mit Leptospirose an. Auch der Urin infizierter Tiere sowie Gewässer (z. B. Pfützen), in denen Leptospiren überdauern, sind eine Infektionsquelle für Leptospirose beim Hund. Die meisten Infektionen verlaufen jedoch ohne Symptome. Der Impfstoff Leptospirose wird jährlich geimpft, ist oftmals im Impfstoff anderer wie beispielsweise Hepatitis, Staupe und Parvo mit enthalten, sodass nun ebenfalls eine jährliche Impfdosis der anderen Impfstoffe gespritzt wird, obwohl die anderen Impfungen bestenfalls für 3 Jahre gültig sind. Viele impfkritische Hundebesitzer fürchten diese Impfung ganz besonders bzw. lehnen sie rundweg ab. Das liegt zum einen daran, dass es über 200 Leptospiren-Stämme gibt, der aktuelle Impfstoff aber nur gegen die vier momentan häufigsten schützt. Zum anderen ist die Impfung gegen Leptospirose eine sogenannte Ganzkeim-Vakzine, die aus ganzen abgetöteten Bakterien besteht. Solche Impfstoffe nennt man auch schmutzige Impfstoffe. Sie gelten als besonders risikoträchtig in Bezug auf Impfschäden. Leptospirose kann allerdings auch für Menschen gefährlich werden. Bei keiner Impfung ist die Nutzen-Risiko-Abwägung schwieriger. Ein impfkritischer Besitzer wird wohl selbst eine Entscheidung treffen müssen, ob er gegen die Leptospirose impfen lässt oder nicht. Wer gegen Leptospirose impfen lässt, sollte beachten, dass der Schutz eventuell nicht sicher und relativ kurzlebig ist.

Zwingerhusten macht sich durch ein bellendes, teilweise krampfartiges Husten bemerkbar und ist für betroffene Hunde sehr unangenehm. Durch den starken Husten kann ein Würgereiz entstehen. Auch Atembeschwerden, Nasenausfluss und Entzündungen von Kehlkopf und Luftröhre sind möglich. Die Erkrankung, die durch verschiedene Erreger ausgelöst werden kann, ist hoch ansteckend und verbreitet sich gerade unter Hunden, die viel Kontakt zu Artgenossen haben, sehr schnell. Zwingerhusten kann also mit einer Art Erkältung verglichen werden und eine Heilung findet meistens innerhalb von 1-3 Wochen statt. Die Krankheit ist relativ harmlos und eine Impfung nicht immer notwendig. Da Zwingerhusten jedoch hoch ansteckend ist, ist eine Impfung von Tierheimhunden sinnvoll.

Borreliose wird über einen Zeckenbiss übertragen. Hunde werden oft durch Zecken infiziert, da sie sich häufiger in Zeckengebieten aufhalten und in Wäldern und Wiesen mit halbhohem Gras unterwegs sind. Sie erkranken jedoch seltener als der Mensch und können weder andere Hunde noch den Menschen anstecken. Die Krankheit lässt sich gut mit Antibiotika behandeln. Die Borreliose Impfung kann heftige Nebenwirkungen hervorrufen: Allergische Reaktionen, Epilepsie und Autoimmunerkrankungen. Häufig wird also die Vorbeugung durch einen guten Zeckenschutz und schnelles Entfernen von Zecken bevorzugt. Beißt eine infizierte Zecke einen Hund, werden die Borrelien aktiviert und etwa 24 Stunden nach dem Biss dringen die aktivierten Erreger in den Hund ein. Eine Entfernung der Zecken innerhalb dieser Zeit verhindert eine Infektion! Die Nebenwirkungen einer Borreliose Impfung können weitreichendere Folgen haben, als dass der Hund an der Borreliose erkrankt, weche gut behandelbar ist. Zum Nachdenken: Borreliose ist für uns Menschen empfänglicher als für Hunde. Jedoch gibt es KEINEN einzigen Impfstoff auf dem Markt für uns Menschen, aber für Hunde! Und das seit vielen Jahren!

Die Tollwut ist eine durch Viren übertragbare Krankheit, mit der sich neben Hunden und anderen Tieren auch Menschen infizieren können. Deutschland ist seit einiger Zeit offiziell frei von Fuchstollwut, auch wenn in einigen Gebieten noch Warnschilder aufgestellt sind. Die Fledermaus-Tollwut ist jedoch noch aktiv und für Katzen sehr gefährlich, welche Fledermäuse fangen und schlimmstenfalls essen. Eine Übertragung der Tollwut erfolgt über Tierbisse, der Speichel des infizierten Hundes kommt in die Blutbahn. Alle Tollwutarten sind übertragbar auf uns Menschen. Eine gültige Tollwutimpfung ist fast immer Pflicht auf Hundeplätzen und beim Verreisen ins europäische Ausland. Die vortragende Tierheilpraktikerin empfiehlt jedoch noch aus einem anderen Grund auf jeden Fall IMMER Tollwut impfen zu lassen: Ungeimpfte Hunde werden bei Verdacht auf Tollwut SOFORT getötet. Die meisten Tollwutimpfstoffe für Hunde haben eine Zulassung für drei Jahre. Die Impfstoffe können heftige Nebenwirkungen hervorrufen! Nebenwirkungen können zum Beispiel sein: Allergische Reaktionen, Jucken, Atemnot, Schock, Durchfall. Und wenn man ihn wirklich nur alle drei Jahre impfen muss, wieso dann jährlich?

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Plastik „Spritze“

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser? Nein!

An dieser Stelle möchte ich aus eigener Erfahrung etwas anbringen. Nalas (jetzt ehemaliger) Tierarzt impfte letztes Jahr Tollwut und schrieb eine Gültigkeit von einem Jahr, bis Juni 2016, in den Impfausweis. Damals hinterfragten wir dies nicht und vertrauten auf die Richtigkeit der Handlung. Zwischenzeitlich wechselten wir aus verschiedenen Gründen den Tierarzt und besuchen nun seit einigen Monaten eine liebenswerte Tierärztin in unserer Nähe. Die Tierärztin schaute sich Nalas Impfpass an und stellte fest, sie impft denselben Tollwut Impfstoff. Dieser ist jedoch laut ihrer Packungsbeilage volle 3 Jahre gültig! Leider darf sie an der Eintragung nichts verändern, sonst würde sie sich der Urkundenfälschung strafbar machen. Eintragungen im Impfausweis sind also Gesetz. Ich kann hier nur appellieren, sich über etwaige Impfstoffe vorher schlau zu machen! Packungsbeilagen sind im Internet einsehbar. Generell würde ich einen Tollwut Impfstoff unter 3 Jahre nicht mehr impfen lassen, alleine schon wegen dem Risiko der obengenannten Nebenwirkungen!

Gibt es ein richtig und ein falsch?

Jeder Bauch hat seinen eigenen Kopf und demnach sollte jeder für sich selbst und die eigene Fellnase entscheiden. Ich bin kein extremer Impfgegner und kein absoluter Impfbefürworter, ich bin irgendetwas dazwischen. Jährliche Impfungen halte ich persönlich für eine zu hohe Anstrengung, mit Impfungen alle drei Jahre kann ich mich schon eher anfreunden. Eine Grundimmunisierung im Welpenalter sowie 15 Monate danach sollte bereits eine gute Grundvoraussetzung für das spätere Leben eines Hundes sein. Natürlich ist das nicht immer gegeben, gerade bei Vierbeinern aus dem Tierschutz. Alle Impfungen oder Auffrischungen im späteren Leben des Hundes sollten nach der Befindlichkeit des Hundes entschieden werden. Wie verkraftet mein Hund die Impfungen? Habe ich einen älteren Hund und kann er noch mit solchen Anstrengungen belastet werden? Hat mein Hund eine nicht heilbare Krankheit, wie beispielsweise Epilepsie und lösen Impfungen schlimme Krämpfe bei ihm aus? All diese Fragen kann sich nur jeder Hundebesitzer selbst stellen und zum Wohlergehen des eigenen Tieres entscheiden. Eine pauschale Verfahrensweise wird es in dieser Hinsicht nicht geben, allerdings erachte ich es als sinnvoll, wenn sich jeder Tierbesitzer mit den etwaigen Krankheiten und Impfungen vertraut macht. Gute Tierärzte beraten und entscheiden individuell nach den Bedürfnissen eines jeden Hundes. Jährliche Kombinationsimpfungen sollten meiner Meinung nach abgelehnt werden, wenn in der Packungsbeilage jener Impfstoffe eine Gültigkeit von beispielsweise 3 Jahren steht.

Hier noch meine Buchempfehlungen

  1. Hunde würden länger leben, wenn… – Schwarzbuch Tierarzt von Dr. med. vet. Jutta Ziegler
  2. Hunde impfen, der kritische Ratgeber von Monika Peichl

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Quellen

Haustier – Impfungen